Sabine Wildemann
Sabine Wildemann
DICH SEHEN
Ich kann Dich sehen,
durch die Bäume hindurch.
Ein kleines Stück von Dir.
Sehe, wie du dich veränderst, jede Sekunde.
Sehe deine Farben, deine Bewegungen.
Vor dem Sehen aber
kann ich dich hören.
Deine Gewaltigkeit,
deine Unendlichkeit.
Stelle fest: ich brauche dich gar nicht zu sehen, um glücklich zu sein.
Dich zu hören und zu riechen,
dein Geschmack auf meiner Zunge
macht mich schon lächeln.
Du, Meer, Du – mit Deinen Möwen.
DU BIST IMMER DA
Muß dich sehen,
jetzt gleich,
kann kaum noch abwarten.
Könnte nackt hinüberrennen, um schnell bei dir zu sein.
Es liegt nur diese kleine Promenade zwischen uns.
Ich weiß, Du kannst nicht kommen, zu mir.
Ich muß zu Dir gehen.
So will es die Natur.
Wo ist meine Hose?
Ich weiß auch, du wirst nicht weggehen. Du bist immer da.
Warum hab ich es so eilig?
Die Hände in den Manteltaschen hab’ ich die Straße überquert,
Dann war ich bei dir. Ich konnte dich nicht berühren.
Ich komme wieder heute abend.
Dann sind wir allein.
Keine Menschen, die dich ablaufen, als wärst du Teil eines Marathons.
Dann lasse ich dich an meine Füße.
Du, Meer, Du – mit Deinen Muscheln.
GEH’ NICHT GLEICH WIEDER
Oh, Sonne,
bleib’ noch ein Weilchen,
geh’ nicht gleich wieder,
liebkose meinen nackten Bauch, meine unbedeckten Arme.
Warum ich dich so mag?
Du streichelst mich, dringst in all die Wölbungen meines Körpers,
verweilst in meinen Falten
und, stellst doch keine Fragen.
Was interessiert dich mein Seelenheil?
Keine Schatten wirfst du!
Nichts verlangst du!
Nichts muß ich von mir geben!
Nur, dich ab und zu gehen lassen.